die meisner technik

Schauspiel ist die Fähigkeit, wahrhaftig unter gegebenen Umständen zu leben

Menschen fühlen etwas und zeigen als erstes Verhalten das diesem Gefühl angepasst ist. Wir verbalisieren dann etwas basierend auf dem eben erlebten und gefühltem. Ziel der Meisner Technik ist es dies auf der Bühne, oder vor der Kamera, also unter imaginären Umständen, zu tun.
Ziel der Meisner Technik ist es, „Wahrhaftig unter gegebenen Umständen zu leben“. Das bedeutet, jegliche Art von konstruiertem, antizipiertem Spiel zu vermeiden und sich ganz und gar auf seine Instinkte als Schauspieler zu verlassen.
Diese wiederum werden angesprochen, indem man mithilfe einer Reihe von Übungen die Konzentration von sich auf den Spielpartner lenkt indem man diesem „wirklich zuhört“ und somit von „Moment zu Moment“ spielt. Somit wird das Spiel an Tiefe gewinnen und jegliche Art von Beliebigkeit wird vermieden. Man beginnt im Spiel zu reagieren, anstatt zu agieren („Acting is reacting“).

Worte können lügen, Verhalten niemals!
In der Meisner Technik arbeitet man nicht an den Worten, sondern am emotionalen Verhalten, das dem Text zugrunde liegt. Wenn wie also mit Text arbeiten, geht es darum „warum“ ein Schauspieler sagt was er sagt und nicht „wie“. Uns geht es darum, was ein Schauspieler in der vorgegebenen Situation fühlt und nicht was der Text vorgibt zu fühlen. nur so ist eine individuelle Darstellung möglich.
Wenn du nicht zuhören kannst, kannst du nicht spielen, egal wie talentiert du bist!
Leben passiert im Moment. Der einzig wahrhaftige Moment ist das was zwischen zwei Personen jetzt passiert. Um Momente zu erleben muss der Schauspieler offen sein und seinem Partner zuhören.

Repetition
Die Repetition Übung ist der Grundstein der Meisner Technik. Zu Beginn muss diese Übung von Grund auf gelernt werden um sie zu perfektionieren. Ziel der Übung ist es durch ein verlagern der Konzentration von sich auf seinen Spielpartner, einen intensiven Kontakt herzustellen und dem Partner wirklich zuzuhören. Dies geschieht indem man rudimentäre Dinge beobachtet und ausspricht (z.B. „Blaues Shirt“ weil der Partner ein blaues Shirt anhat) wird gelernt auf einer rein instinktiven Ebene Kontakt aufzunehmen und somit ein „Schauspielerbewusstsein“ vermieden. Dadurch ist die Gefahr Momente zu erzeugen, anstatt sie wahrhaftig zu erleben geringer. Erst in diesem Moment können die Instinkte des Schauspielers zur Entfaltung kommen.

Ziel ist es immer Dinge, Handlungen, „wahrhaftig“, also wirklich zu tun. Ziel des Schauspiels ist es nicht emotional zu sein, sondern Dinge wahrhaftig zu tun. Die persönliche Bedeutung der Handlung bestimmt die emotionale Intensität und Tiefe der Darstellung.

„Schauspiel heisst nicht emotional zu sein, sondern emotional zu handeln“.

The Knock on The Door
Die zweite Stufe der Meisner Technik ist das „Klopfen an der Tür“. Hierbei verlässt einer Spielpartner den Raum und klopft nach einer gewissen Zeit an der Tür. Dieses Klopfen sollte präzise wie möglich sein. D.h. es sollte möglich sein, innerhalb des Raumes einen Eindruck von der Stimmung des Klopfenden haben. Der Spielpartner, der im Raum geblieben ist, öffnet die Tür und arbeitet mittels der „Repetition“ mit seinen Spielpartner.

Independent Activity
Bei der „Independent Activity“ Übung, führt der Spielpartner im Raum eine Aufgabe aus, die einen hohen Schwierigkeitsgrad besitzt, an eine emotionaes Bedürfnis gekoppelt ist und in einer bestimmten Zeitspanne durchgeführt werden muss. Um die Konzentration auf diese Aufgabe zu intensivieren, sollte sie am Anfang fast unmöglich sein wie z.B. eine Unterschrift perfekt zu fälschen, oder ein Bild exakt zu kopieren. Später können die Aufgaben leichter sein, das Element des emotionalen Bedürfnisses muss aber weiterhin enthalten sein.

Emotional Preparation
Bei der Emotional Preparation wird am Emotionalen Instrument des Schauspielers gearbeitet. Hierbei versucht sich der Schauspieler in einen Tagtraum, also eine sehr starke Phantasie, zu versetzen. Dabei wird versucht eine starke Emotion zu erzeugen, die an die Erfordernisse der zu spielenden Situation angepasst ist. Der Schauspieler präpariert sich emotional, um in eine Szene zu gehen und arbeitet dann mittels der Repetition „Am Spielpartner ab“.

SandySmokingWebSanford Meisner (* 31. August 1905 in New York City; † 2. Februar 1997 in Sherman Oaks, Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Schauspiellehrer.

Er war, gemeinsam mit Lee Strasberg und Stella Adler, Mitbegründer des Group Theatre und einer derjenigen, die das Ausbildungssystem von Konstantin Sergejewitsch Stanislawski für Amerika adaptierten. Der von ihm gelehrte Ansatz basiert auf seiner Interpretation Stanislawskis Arbeit. Sanford Meisner hat Stanislawski niemals persönlich kennengelernt.

Seine Forderung: „Schauspielen ist wahrhaftiges (er-)leben unter vorgestellten Umständen“ unterscheidet sich von Strasbergs Method Acting (das auf der frühen Phase Stanislawskis basiert) durch die dezidierte Ausrichtung schauspielerischer Aufmerksamkeit nach außen.

Doku über Sanford Meisner

Teil 1

https://youtube.com/watch?v=zNuFSrsYfpM%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 2

https://youtube.com/watch?v=fa7BtUiZ79Y%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 3

https://youtube.com/watch?v=jQLFGAbY6ac%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 4

https://youtube.com/watch?v=rpb3A-SMjLI%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 5

https://youtube.com/watch?v=wES47t2k7k0%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 6

https://youtube.com/watch?v=r7IUj8fTSiA%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

Teil 7

https://youtube.com/watch?v=Kp4wqTFeLYc%26hl%3Dde%26fs%3D1%26

strasbergLEE STRASBERG
Generell werden bei der Strasberg Technik die Spielimpulse durch den Schauspieler selbst generiert und nicht vom Schaupielpartner abgenommen: „Du“ weinst auf Stichwort, „Du“ durchlebst einen privaten Moment, „Du“ als Individuum produzierst deine eigene Arbeit. Die Arbeit ist so zwar persönlich aber in gewisser Weise isoliert von anderen Schauspielern auf der Bühne.

 

 

 

STELLA ADLERadler

Stella Adler vertrat die Ansicht, das der Arbeitsprozess mit dem Charakter, den man zu spielen hat, beginnt. Die Arbeit verläuft dann gewissermassen rückwärts. Wie bewegte und sprach der Charakter? In welcher Zeit lebt der Charakter? Welche Art von Kleidung trug er? Waren diese Fragen beantwortet wurde die Authenzität und Wahrhaftigkeit in der Arbeit über den Imaginären Umstand gesucht.

 

SANFORD MEISNER
Sanford Meisner war der Meinung, das Schauspieler zwei Hauptprobleme hatten 1. Sie waren in ihrem „Kopf“, d.h. sie waren befangen und dachten. 2. Sie konnten nicht zuhören. Indem man seine gesamte Aufmerksamkeit von sich nimmt und sich komplett auf seinen Partner konzentriert, legt man intellektuelle Schutzmechanismen ab und „lebt“ Momente mit seinem Partner authentisch. Anstatt also Momente zu antizipieren und anhand von Textstellen zu konstruieren, ist man emotional offen und wahrhaftig.

Meisner verglich Emotionen und Text mit einem Kanu auf einem wilden Fluss:

Der Fluss sind die Emotionen, der das Kanu, also den Text, trägt. Die Richtung die der Text nimmt wird immer von den Emotionen, dem Fluss, bestimmt.